Steyerberg Insights: Frühling - gute Voraussetzungen schaffen

Steyerberg Insights: Frühling - gute Voraussetzungen schaffen

Mit dem Austrieb beginnt das neue Leben im Weinberg. Jetzt schaffen wir die besten Voraussetzungen für ein starkes und gesundes Wachstum.

Boden bearbeiten für lebendigen Boden

Ein gesunder, nährstoffreicher und lebendiger Boden ist die Grundlage für das Wachstum unserer Reben. Dabei geht es nicht darum, der Rebe möglichst jederzeit alles im Überfluss zur Verfügung zu stellen. Entscheidend ist vielmehr eine natürliche Balance zwischen Nährstoffverfügbarkeit, Bodenleben und Wasser.

Denn eine Rebe, die ständig ausreichend Wasser und Nährstoffe vorfindet, muss wenig Energie aufwenden, um sich zu versorgen. Gerade in Phasen, in denen sie sich mit den Bedingungen auseinandersetzen muss, kann sie jedoch besonders intensiv auf ihre Umwelt reagieren. Der Standort, der Boden und die Wasserversorgung prägen dabei maßgeblich die Entwicklung der Trauben und damit den späteren Wein.

Unsere Reben wachsen zu einem großen Teil in steilen Grünschieferlagen. Hier stehen die Rebstöcke teilweise direkt im offenen Fels und müssen sich ihren Weg durch einen kargen, steinigen Untergrund suchen. Sie sind dadurch von Natur aus stärker gefordert, Wasser und Nährstoffe zu erschließen.

Unsere Aufgabe ist es deshalb seit über 40 Jahren, den Boden nicht einfach mit Nährstoffen zu versorgen, sondern ihn zu vitalisieren und sein eigenes Bodenleben zu stärken.

Dafür kombinieren wir Gründüngung und unsere eigene Kompostwirtschaft. Im Sommer säen wir verschiedene Pflanzen in den Weinbergen ein. Sie bilden über Monate organische Masse, durchwurzeln den Boden und liefern nach dem Umbruch im folgenden Frühjahr neue Nahrung für das Bodenleben. Mikroorganismen bauen diese organische Substanz ab und machen darin gebundene Nährstoffe nach und nach für die Reben verfügbar.

Zusätzlich bringen wir selbst erzeugten Kompost in die Weinberge ein. Mit ihm gelangen organische Substanz, Nährstoffe und eine Vielzahl von Mikroorganismen zurück in den Boden. So entsteht über die Jahre ein natürlicher Kreislauf: Pflanzenmasse wird aufgebaut, dem Boden wieder zugeführt und durch das Bodenleben in eine Form überführt, die den Reben zur Verfügung steht.

Je länger dieses System funktioniert, desto stabiler wird der Boden. Unsere jahrzehntelange biologisch-dynamische Bewirtschaftung hat deshalb nicht nur die Humusgehalte und das Bodenleben gestärkt, sondern auch die Widerstandsfähigkeit unserer Weinberge. Gerade in trockenen oder herausfordernden Jahren profitieren die Reben von diesen lebendigen Böden und einem gut entwickelten Wurzelwerk.

Wir versuchen also nicht, die Rebe möglichst bequem zu versorgen. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sie selbst stark und widerstandsfähig wachsen kann.

Triebe ausbrechen: Handarbeit für Licht und Luft

Das Ausbrechen der jungen Triebe ist so intensiv, wie es klingt: Über etwa vier Wochen im Mai wird jeder einzelne Rebstock betrachtet und von Hand bearbeitet. Dabei wird nicht nach einem starren Schema gearbeitet. Vor Ort entscheiden wir für jeden Stock, welche und wie viele Triebe in diesem Jahr bleiben dürfen.

Gezielt werden überzählige oder ungünstig stehende Triebe entfernt. So schaffen wir eine lockere, gut belüftete Laubwand und sorgen für eine gleichmäßige Verteilung der Triebe am Rebstock und innerhalb der Zeile. Das verbessert das Kleinklima rund um die Trauben und schafft beste Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und eine hohe Traubenqualität.

Neben dem Rebschnitt im Winter gehört das Ausbrechen damit zu den zeitintensivsten und wichtigsten Qualitätsarbeiten im Weinberg. Was später wie ein natürlich gewachsener Rebstock aussieht, ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, Stock für Stock, Trieb für Trieb.

Mit Rebschnitt im Winter zusammen die Zeitintensivste und wichtigste Qualitätsmaßnahme und Arbeitsschritt im Weinberg

 

Reben stärken durch biologisch-dynamische Präparate und Pflege

Die biodynamischen Präparate sind für uns ein fester Bestandteil unserer Weinbergsarbeit. Sie sollen Boden und Reben dabei unterstützen, sich an ihrem jeweiligen Standort bestmöglich zu entwickeln und auf die Bedingungen des jeweiligen Jahres zu reagieren.

Im Frühjahr beginnen wir mit der Anwendung von Hornmist und Hornkiesel.

Hornmist wird auf den Boden ausgebracht. In unserer biodynamischen Arbeit verstehen wir ihn als einen Impuls für das Bodenleben und die Entwicklung eines lebendigen, stabilen Bodenökosystems. Gerade nach vielen Jahrzehnten konventioneller Bewirtschaftung braucht es Zeit, bis sich ein vielfältiges Bodenleben wieder etabliert und stabilisiert. Deshalb ist die Anwendung für uns kein einmaliger Schritt, sondern Teil einer kontinuierlichen Arbeit über Jahrzehnte. Denn Boden, Witterung und Bewirtschaftung verändern sich ständig – was über Jahre aufgebaut wurde, kann durch einzelne schwierige Jahre wieder geschwächt werden.

Hornkiesel richtet sich stärker an die oberirdische Entwicklung der Rebe. Wir setzen ihn ein, um die Pflanze in ihrer Auseinandersetzung mit den jeweiligen Standort- und Witterungsbedingungen zu begleiten. Dabei geht es uns um eine ausgewogene Entwicklung der grünen Pflanzenteile, eine gute Reaktion auf den jeweiligen Jahrgang und einen bewussten Umgang der Rebe mit den vorhandenen Ressourcen.

Je nach Witterungsverlauf und Entwicklungsstand bringen wir Hornkiesel zwei- bis dreimal im Jahr aus. Die Anwendungen werden dabei nicht nach einem starren Kalender durchgeführt, sondern an wichtige Entwicklungsphasen wie Blüte und Reifebeginn angepasst.

Für uns sind die Präparate kein einzelner Arbeitsschritt mit einer unmittelbaren Wirkung, sondern Teil eines langfristigen Systems. Boden, Rebe, Standort und Jahrgang stehen miteinander in Verbindung – und genau diese Verbindung versuchen wir mit unserer biodynamischen Arbeit zu stärken.

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