Steyerberg Insights: Sommer - Rebwachstum und Traubenntwicklung

Steyerberg Insights: Sommer - Rebwachstum und Traubenntwicklung

Die Reben wachsen kräftig und die Trauben entwickeln sich. Jetzt begleiten wir sie achtsam durch die Sommermonate.

Reife begleiten

Im Juli kommt der Traktor zum Einsatz: Beim Laubschnitt werden die Triebspitzen der Reben eingekürzt. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Wir halten die Zeilen offen und verhindern eine zu starke Verbuschung der Laubwand. So kann Luft besser durch die Reben zirkulieren und die Trauben bleiben trocken, eine wichtige Voraussetzung für gesunde Trauben.

Gleichzeitig greifen wir mit dem Zeitpunkt des Laubschnitts bewusst in den natürlichen Wachstumsrhythmus der Rebe ein. Über einen großen Teil des Jahres liegt der Fokus der Pflanze auf dem vegetativen Wachstum: Sie bildet Triebe und Blätter und baut Blattmasse auf. Erst später soll sich dieser Schwerpunkt zunehmend auf die generative Entwicklung verlagern: also auf die Reife der Trauben und die Bildung der Kerne.

Deshalb schneiden wir die Triebspitzen so spät wie möglich. Wird die Triebspitze zu früh entfernt, kann die Rebe ihren Fokus zu früh auf die Traubenentwicklung verlagern. Das kann zu üppiger Beeren-/Traubenentwicklung führen.

Der richtige Zeitpunkt ist dabei eine Gratwanderung: Zu frühes Einkürzen kann die Entwicklung der Trauben beeinflussen, zu spätes Schneiden führt zu einer zu dichten und schwer kontrollierbaren Laubwand.

Auch hier geht es darum, die Rebe nicht zu übersteuern, sondern ihren natürlichen Entwicklungsrhythmus gezielt zu begleiten.

 

Pflanzenschutz - so wenig wie möglich, so viel wie nötig

Auch im biologischen und biodynamischen Weinbau lässt sich Pflanzenschutz derzeit nicht vollständig vermeiden. Wir verzichten konsequent auf chemisch-synthetische und systemisch wirkende Pflanzenschutzmittel. Stattdessen arbeiten wir mit den im biologischen Weinbau zugelassenen Mitteln, die überwiegend oberflächlich auf der Pflanze wirken und nicht in deren Stoffwechsel eindringen.

Die Herausforderung liegt vor allem darin, dass unsere heutige Kulturrebe durch die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten Echter und Falscher Mehltau nur noch begrenzte eigene Abwehrmechanismen besitzt. Unter unseren klimatischen Bedingungen können sich diese Krankheiten schnell entwickeln und bei starkem Befall die Ernte gefährden.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, mit dieser Herausforderung umzugehen.

Der züchterische Ansatz setzt auf widerstandsfähigere Rebsorten. Durch die Kreuzung unserer europäischen Kulturreben mit robusten amerikanischen Wildreben entstehen sogenannte PIWI-Sorten. Regent oder Cabernet Blanc sind Beispiele dafür. Sie bringen eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten mit und benötigen dadurch weniger Pflanzenschutz.

Der zweite Ansatz setzt bei der Rebe selbst und ihrem Standort an. Wir möchten die Pflanzen so vital und ausgeglichen wie möglich entwickeln, damit sie mit den Bedingungen ihres Standorts besser umgehen können. Eine lebendige Bodenstruktur, ausgewogene Nährstoffversorgung, tiefreichende Wurzeln und die biodynamische Bewirtschaftung sind für uns Teil dieses Ansatzes.

Ganz ohne Pflanzenschutz kommen wir derzeit dennoch nicht aus. Die biologisch zugelassenen Mittel setzen wir deshalb so gezielt und sparsam wie möglich ein, angepasst an Witterung, Entwicklungsstand der Reben und den tatsächlichen Bedarf. Unser Ziel ist nicht, möglichst viel zu behandeln, sondern so wenig wie möglich eingreifen zu müssen.

Weniger Pflanzenschutz beginnt für uns nicht erst beim Spritzmittel. Es beginnt bei einem lebendigen Boden und einer Rebe, die gelernt hat, mit ihrem Standort umzugehen.

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